Ständig erkältet? Was Ihr Immunsystem Ihnen sagen möchte

Sommer, Sonne – und trotzdem schon wieder erkältet?

Viele Menschen verbinden Erkältungen mit den kalten Wintermonaten. Doch auch im Sommer höre ich in meiner Praxis häufig: „Ich bin schon wieder erkältet.“ Schnupfen, Halsschmerzen, Husten oder ein grippaler Infekt mitten in der warmen Jahreszeit können ein Hinweis darauf sein, dass das Immunsystem bereits seit längerer Zeit unter Belastung steht. Ein einzelner Infekt gehört zum Leben. Häufen sich Infekte jedoch über Monate oder Jahre, lohnt es sich, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Unser Immunsystem – einfach erklärt

Unser Immunsystem schützt uns täglich vor Viren, Bakterien, Pilzen und anderen Krankheitserregern.

Es besteht vereinfacht aus zwei eng zusammenarbeitenden Abwehrsystemen:

  • Die angeborene (unspezifische) Immunabwehr reagiert innerhalb weniger Minuten. Haut, Schleimhäute und bestimmte Immunzellen bilden dabei die erste Schutzbarriere.
  • Die erworbene (spezifische) Immunabwehr erkennt Krankheitserreger gezielt, bildet Antikörper und entwickelt ein immunologisches Gedächtnis. Dadurch reagiert der Körper bei einem erneuten Kontakt schneller und effizienter.

Damit beide Systeme optimal arbeiten können, benötigen sie ausreichend Nährstoffe, Erholung und möglichst wenig dauerhafte Belastungen.¹

Warum wird das Immunsystem anfälliger?

Nicht immer steckt „nur ein Virus“ hinter häufigen Infekten. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen:

  • chronischer beruflicher oder privater Stress
  • Schlafmangel
  • Nährstoffdefizite (Vitamin D, Vitamin C, Zink, Selen oder Eisen)
  • ballaststoffarme Ernährung und dadurch eine beeinträchtigte Darmflora
  • chronische Entzündungen
  • Heuschnupfen oder andere Allergien mit dauerhaft gereizten Schleimhäuten
  • Rauchen
  • hoher Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel
  • hohe körperliche oder seelische Dauerbelastung

Gerade chronischer Stress wird häufig unterschätzt. Man muss sich nicht erschöpft fühlen, damit das Immunsystem dauerhaft beansprucht wird. Bereits eine anhaltende innere Anspannung kann die Regulationsfähigkeit unseres Immunsystems beeinflussen.⁵

Was können Sie selbst für Ihr Immunsystem tun?

  • Ballaststoffreich essen – der Darm freut sich mit
    Etwa 70 % unserer Immunzellen stehen in engem Zusammenhang mit dem Darm. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten sowie Nüssen und Samen versorgt die Darmflora mit wertvollen Ballaststoffen und unterstützt die Darmschleimhaut.²
  • Küchenkräuter täglich nutzen
    Frische Kräuter bereichern nicht nur den Geschmack unserer Mahlzeiten, sondern liefern auch wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders Rosmarin, Salbei und Thymian dürfen gerne regelmäßig auf dem Speiseplan stehen.⁶
  • Ingwer – der wärmende Immuntee
    Frischer Ingwer wird traditionell zur Unterstützung der körpereigenen Abwehr eingesetzt. Seine Scharfstoffe wirken angenehm wärmend und fördern die Durchblutung.⁶
    Anwendung: Frischen Ingwer in Scheiben schneiden und etwa 10 Minuten ziehen lassen.
  • Malve – Schutz für gereizte Schleimhäute
    Malvenblüten und -blätter enthalten reichlich Schleimstoffe. Diese legen sich wie ein schützender Film auf gereizte Schleimhäute im Mund-, Rachen- und Halsbereich und können bei trockenem Reizhusten oder Heiserkeit wohltuend sein.⁶
    Anwendung: Mindestens 15 Minuten ziehen lassen.
  • Thymian – Unterstützung für die Atemwege
    Thymian zählt zu den klassischen Heilpflanzen bei Erkältungen. Seine ätherischen Öle werden traditionell aufgrund ihrer antibakteriellen, antiviralen und antimykotischen Eigenschaften geschätzt. Gleichzeitig unterstützt Thymian das Lösen von Schleim und erleichtert das Abhusten.⁶
  • Schlaf – Regeneration für Körper und Immunsystem
    Während des Schlafes laufen wichtige Reparatur- und Regenerationsprozesse ab. Auch Immunzellen werden gebildet, aktiviert und miteinander vernetzt. Ein regelmäßiger, erholsamer Schlaf von sieben bis neun Stunden unterstützt die natürliche Immunfunktion.³
  • Bewegung – das natürliche Immuntraining
    Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung, regt den Lymphfluss an und unterstützt die Aktivität verschiedener Immunzellen. Bereits tägliche Spaziergänge oder moderates Ausdauertraining können einen wertvollen Beitrag leisten. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit – nicht die Höchstleistung.⁴

Bereits bei den ersten Anzeichen handeln

Kratzen im Hals, leichte Müdigkeit oder beginnender Husten sind häufig erste Signale eines Infekts.

In meiner Praxis hat sich folgende Unterstützung bewährt:

  • VOGEL Echinaforce Resist-Erkält forte: 2 × täglich 2 Tabletten
  • Vitamin C: maximal etwa 750 mg täglich, vorzugsweise über natürliche Quellen wie Sanddornsaft, Acerolakirschen oder eingekochte Vogelbeeren (Ebereschen).

Gut zu wissen: Vogelbeeren sollten nicht roh, sondern gekocht oder eingekocht verzehrt werden. Erst durch das Erhitzen werden sie gut verträglich.

Eine Tagesmenge von etwa 750 mg Vitamin C ist in den meisten Fällen ausreichend. Da der Körper Vitamin C nur begrenzt speichern kann, werden überschüssige Mengen größtenteils über die Nieren ausgeschieden. Deshalb ist eine regelmäßige Versorgung sinnvoller als sehr hohe Einzeldosen.

Die Anwendung erfolgt idealerweise bis etwa drei Tage nach dem vollständigen Abklingen der Beschwerden.

Wann lohnt sich ein genauer Blick?

Treffen mehrere dieser Punkte auf Sie zu?

☐ Mehr als zwei stärkere Atemwegsinfekte pro Jahr

☐ Sie erholen sich nur langsam von Infekten

☐ Sie fühlen sich auch zwischen den Infekten nicht vollständig belastbar

☐ Chronischer Stress oder Allergien begleiten Ihren Alltag

☐ Sie möchten Ihr Immunsystem langfristig stärken und die Ursachen verstehen

Dann kann eine naturheilkundliche Abklärung sinnvoll sein.

Den Ursachen auf den Grund gehen

In meiner Praxis betrachten wir nicht nur den einzelnen Infekt, sondern den Menschen als Ganzes.

Mittels einer Dunkelfeldmikroskopie kann eine orientierende naturheilkundliche Einschätzung des inneren Milieus erfolgen. Ergänzend lassen sich – je nach Fragestellung – spezifische Immunparameter im Blut bestimmen.

Auf dieser Grundlage entsteht ein individuell abgestimmtes Therapiekonzept. Je nach Situation kommen beispielsweise Reflexzonentherapie, Baunscheidttherapie zur Anregung des Lymphsystems, Heilpflanzen, Mikroimmuntherapie, gezielte Mikronährstofftherapie oder isopathische Präparate zum Einsatz.

Meine Empfehlung für Sie

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Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren – und vor allem ein starkes Immunsystem.

Quellen

¹ Grundlagen des Immunsystems

Abbas AK, Lichtman AH, Pillai S. Cellular and Molecular Immunology. Elsevier.

² Darm und Immunsystem

Belkaid Y, Hand TW. Role of the microbiota in immunity and inflammation. Cell. 2014;157(1):121–141.

Gibson GR et al. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) Consensus Statement on Dietary Prebiotics. Nature Reviews Gastroenterology & Hepatology. 2017.

³ Schlaf und Immunsystem

Besedovsky L, Lange T, Born J. Sleep and immune function. Pflügers Archiv – European Journal of Physiology. 2012.

⁴ Bewegung und Immunsystem

Nieman DC, Wentz LM. The compelling link between physical activity and the body’s defense system. Journal of Sport and Health Science. 2019.

⁵ Stress und Immunsystem

Segerstrom SC, Miller GE. Psychological stress and the human immune system: A meta-analytic study. Psychological Bulletin. 2004.

⁶ Phytotherapie

Schilcher H, Kammerer S. Leitfaden Phytotherapie.

Bühring U. Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde.

Fintelmann V, Weiss RF. Lehrbuch Phytotherapie (Rationale Phytotherapie).

European Medicines Agency (EMA), Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Monographien zu Thymus vulgaris, Malva sylvestris, Zingiber officinale und Echinacea purpurea.

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